An meinem Büroschrank hängt seit einigen Wochen ein kleiner Kalenderspruch mit einem Satz, über den ich immer wieder stolpere:
„Es ist, wie es ist …“
Und weil wir am Rande der Osteifel noch die Nähe zu Köln haben, höre ich automatisch den passenden Nachsatz dazu:
„Und et hätt noch immer jot jejange.“
Ich mag diesen Gedanken. Er erinnert mich daran, dass wir nicht alles kontrollieren können und dass es oft wenig bringt, sich über Dinge aufzuregen, die sich ohnehin nicht ändern lassen.
Doch gerade im Unternehmeralltag begegnet mir dieser Satz auch in einem anderen Zusammenhang.
Eine Kundin verliert plötzlich einen wichtigen Auftrag. Ein Lieferant erhöht seine Preise. Ein Mitbewerber bietet 1:1 die gleichen Leistungen an … leider viel günstiger. Mitarbeitende kündigen. Neue gesetzliche Vorgaben sorgen für zusätzlichen Aufwand. Günstige Massenproduktionen und die „Preis ist geil“-Mentalität sorgen dafür, dass das bisherige Alleinstellungsmerkmal völlig an Bedeutung verloren hat.
Da höre ich häufig solche Sätze wie:
„Da kann man nichts machen.“
„So ist das eben.“
„Es ist halt, wie es ist.“
Und weißt Du was? Der Satz stimmt sogar.
Die Situation ist, wie sie ist. Sie lässt sich in diesem Moment nicht wegdiskutieren. Wer seine Energie darauf verwendet, gegen Tatsachen anzukämpfen, verliert wertvolle Kraft.
Aber genau an diesem Punkt beginnt Unternehmertum.
Denn auf „Es ist, wie es ist“ darf noch ein zweiter Satz folgen: „Aber es wird, was Du daraus machst.“
Genau darum geht es in diesem Beitrag. Ich möchte Dir zeigen, wie Du mit einfachen Methoden den Blickwinkel wechseln kannst – weg vom Problem und hin zu den Möglichkeiten, die oft näher liegen, als wir zunächst glauben.
Es ist, wie es ist - die Realität anerkennen
Ja, es stimmt: Nicht alles liegt in unserer Hand. Viele äußere Faktoren beeinflussen den Alltag von Selbstständigen:
- eine schwache Auftragslage
- zunehmende Komplexität, globale Märkte und wirtschaftliche Abhängigkeiten
- Bürokratie
- politische Entscheidungen
- Krankheit
- steigende Kosten
- Fachkräftemangel
Vielleicht ist es ein ganz menschliches Muster, auf diesen wachsenden Druck zunächst mit Ohnmacht zu reagieren. Schließlich scheint vieles so groß, dass man sich fragt: Wo soll ich überhaupt anfangen? Oder: Was bringt es schon, wenn ausgerechnet ich etwas verändere?
Genau hier liegt jedoch der entscheidende Punkt: Die Realität anzunehmen bedeutet noch lange nicht, aufzugeben. Sie bedeutet vielmehr, die Dinge zu akzeptieren, die Du im Moment nicht ändern kannst – und Deine Energie bewusst auf das zu richten, was sehr wohl in Deiner Hand liegt.
Denn Hand aufs Herz: Was gewinnst Du dadurch, dass Du Dich tagelang über Bürokratie, politische Entscheidungen oder die wirtschaftliche Lage ärgerst? Wahrscheinlich nur eines: noch weniger Energie für die Themen, die Dein Unternehmen tatsächlich voranbringen.
Deshalb möchte ich Dich ermutigen, den Blick auf die nächsten machbaren Schritte zu richten. Wie Du aus guten Vorsätzen konkrete Ziele entwickelst, habe ich in meinem Beitrag über realistische Unternehmensziele beschrieben: Mit Zielklarheit ins neue Jahr: Ein Wegweiser für Selbstständige
Vielleicht entscheidest Du Dich für nachhaltigeres Wirtschaften, entwickelst ein neues Angebot, sprichst eine neue Zielgruppe an oder optimierst einen Prozess in Deinem Unternehmen. Jede dieser Entscheidungen verändert zwar nicht die Welt – aber sie verändert Deine Möglichkeiten.
Du kannst die äußeren Rahmenbedingungen oft nicht beeinflussen. Aber Du kannst entscheiden, wie Du darauf reagierst. Und genau dort beginnt unternehmerisches Handeln.
Und jetzt? Vom Problem zur Möglichkeit
Der eigentliche Unterschied zwischen erfolgreichen Unternehmern und vielen Selbstständigen ist, dass sie nicht bei der Feststellung stehenbleiben, wie schwierig die Situation gerade ist. Sie richten ihren Blick nach vorne und stellen sich eine viel wichtigere Frage:
„Was mache ich jetzt daraus?“
Bevor sie handeln, analysieren sie zunächst, worin das eigentliche Problem besteht. Denn oft sind wir so sehr mit den Symptomen beschäftigt, dass wir die eigentliche Ursache aus den Augen verlieren.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Blue-Ocean-Strategie. Dahinter steckt die Idee, sich nicht ständig mit dem Wettbewerb in einem gesättigten Markt zu messen, sondern bewusst nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Statt sich im „roten Ozean“ mit allen anderen um die gleichen Kunden zu streiten, geht es darum, neue Wege zu entdecken und sich vom Wettbewerb abzuheben.
Dafür musst Du nicht gleich Dein gesamtes Geschäftsmodell neu erfinden. Häufig reicht es schon aus, einzelne Bereiche Deines Unternehmens einmal mit einem neuen Blick zu betrachten.
Stelle Dir dazu vier einfache Fragen:
- Was könnte ich eliminieren? Was kostet Zeit, Geld oder Nerven, ohne echten Mehrwert zu schaffen?
- Was könnte ich neu entwickeln? Welche Ideen oder Angebote fehlen bisher?
- Was könnte ich ausbauen? Was funktioniert bereits gut und darf noch mehr Aufmerksamkeit bekommen?
- Was könnte ich reduzieren? Wo ist weniger, vielleicht sogar mehr?
In diesem Schritt geht es bewusst noch nicht um die perfekte Lösung oder einen detaillierten Umsetzungsplan. Sammle zunächst Ideen – ohne sie sofort zu bewerten. Oft entstehen gerade dann Möglichkeiten, die vorher gar nicht sichtbar waren.
Genau in diesem Moment wechselst Du die Perspektive: Du verlässt die Rolle der oder des Betroffenen und übernimmst wieder die Rolle der Unternehmerin oder des Unternehmers, die oder der gestaltet, statt nur zu reagieren.
Was kannst Du daraus machen? Vier Methoden für neue Perspektiven
Die Realität hast Du akzeptiert. Das eigentliche Problem hast Du analysiert. Jetzt kommt der entscheidende Schritt: den Blick nach vorne richten.
Denn zwischen „Es ist, wie es ist“ und „Es wird, was Du daraus machst“ liegt eine Entscheidung – nämlich die Entscheidung, neue Perspektiven zuzulassen.
Die folgenden vier Methoden unterstützen Dich dabei. Sie sind einfach anzuwenden und helfen Dir, festgefahrene Denkweisen zu verlassen, neue Ideen zu entwickeln und wieder handlungsfähig zu werden.
Die Kopfstand-Methode: Probleme einmal auf den Kopf stellen
Stelle Dein Problem einmal auf den Kopf. Das klingt zunächst ungewöhnlich, funktioniert aber erstaunlich gut. Warum? Weil es uns oft leichter fällt, negativ zu denken, als sofort die perfekte Lösung zu finden.
Geht es Dir beispielsweise darum, eine neue Dienstleistung zu entwickeln, frage Dich nicht:
„Wie kann ich meine Kundinnen und Kunden begeistern?“
Sondern:
„Wie kann ich mit meiner (neuen) Dienstleistung Kundinnen und Kunden nachhaltig abschrecken?“
Oder statt:
„Wie gewinne ich mehr Kunden?“
Frag Dich:
„Wie schaffe ich es garantiert, alle Kunden zu verlieren?“
Dann entsteht oft eine herrlich absurde Liste, zum Beispiel:
- nie zurückrufen
- unfreundlich sein
- Rechnungen falsch schreiben
- Versprechen nicht einhalten
- Reklamationen ignorieren
- ständig zu spät liefern
Jetzt kommt der eigentliche Clou: Drehe jede dieser Aussagen wieder ins Positive.
Aus „nie zurückrufen“ wird „innerhalb von 24 Stunden zurückrufen“. Aus „Versprechen nicht einhalten“ wird „nur zusagen, was Du auch wirklich leisten kannst“. Und aus „Reklamationen ignorieren“ wird „Beschwerden als Chance nutzen, Kunden langfristig zu binden“.
Du wirst feststellen, dass sich dadurch viele Gedankenknoten fast wie von selbst lösen. Anstatt immer wieder um dieselbe Fragestellung zu kreisen, wechselst Du bewusst die Perspektive. Die zunächst verrückten Ideen werden plötzlich zu ganz konkreten Handlungsmöglichkeiten – und genau darin liegt die Stärke dieser Methode.
Fakten statt Annahmen
Ich erlebe in Workshops, Meetings und Einzelgesprächen immer wieder Situationen, in denen Behauptungen aufgestellt werden, die schnell zu Blockaden und Rechtfertigungen führen. Aus einer Vermutung wird eine vermeintliche Tatsache – und schon scheint eine Lösung kaum noch möglich.
Oft erscheinen Probleme deshalb größer, als sie tatsächlich sind. Nicht, weil sie unbedeutend wären, sondern weil wir unsere eigenen Überzeugungen, Erfahrungen oder Vermutungen unbewusst als Fakten behandeln. Je häufiger wir diese Gedanken wiederholen oder von anderen hören, desto selbstverständlicher erscheinen sie uns.
Doch genau hier lohnt es sich, einmal innezuhalten und die eigenen Annahmen kritisch zu hinterfragen.
Nimm Dir ein Blatt Papier und beantworte für Dich folgende Fragen:
- Was weiß ich wirklich?
- Was vermute ich nur?
- Welche Beweise habe ich für meine Annahme?
- Würde eine außenstehende Person zu derselben Schlussfolgerung kommen?
Allein diese Fragen können den Blick auf eine Situation grundlegend verändern. Denn häufig stellst Du fest, dass nicht die Realität das eigentliche Hindernis ist, sondern die Geschichte, die Du Dir darüber erzählst.
Die Kontrollfrage: Wo kannst Du wirklich etwas bewegen?
Male Dir gedanklich zwei Kreise auf ein Blatt Papier.

Je mehr Zeit Du im ersten Kreis verbringst, desto weniger Energie bleibt Dir für den zweiten.
Frage Dich deshalb jeden Morgen:
„Welche eine Sache aus meinem Einflussbereich kann ich heute verbessern?“
Gerade beim Thema Liquiditätsplanung lohnt es sich, regelmäßig den eigenen Einflussbereich zu betrachten – schau Dir dazu gerne meinen Blog-Beitrag an: Liquidität planen statt hoffen – Wie Du Deinen finanziellen Spielraum aktiv steuerst
Die "Was wäre wenn...?"-Frage
Während die Kopfstand-Methode bestehende Denkmuster aufbricht, richtet die „Was wäre wenn…?“-Frage den Blick nach vorne. Sie lädt Dich dazu ein, gedanklich neue Möglichkeiten zuzulassen – ohne sie sofort als unrealistisch oder unmöglich abzutun.
Unser Gehirn sucht häufig nach Gründen, warum etwas nicht funktioniert. Mit der „Was wäre wenn…?“-Frage gibst Du ihm stattdessen den Auftrag, nach Möglichkeiten zu suchen.
Frage Dich zum Beispiel:
- Was wäre, wenn genau in dieser Herausforderung eine Chance steckt?
- Was wäre ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung?
- Was würde ich einer Kundin oder einem Kunden in derselben Situation raten?
- Was wäre, wenn Geld, Zeit oder Gewohnheiten für einen Moment keine Rolle spielen würden?
- Wie würde ich mein Unternehmen heute aufbauen, wenn ich noch einmal ganz von vorne beginnen würde?
Stell Dir beispielsweise vor, Du führst ein Kosmetikinstitut und möchtest Dein Angebot weiterentwickeln. Oder Du bist Handwerker und trägst schon lange eine Idee mit Dir herum, die Arbeitsabläufe deutlich vereinfachen könnte.
Vielleicht fragst Du Dich: „Was wäre, wenn ich mein Unternehmen heute neu gründen würde?“ Würdest Du dieselben Dienstleistungen anbieten? Dieselben Zielgruppen ansprechen? Dieselben Prozesse nutzen?
Natürlich musst Du Deine Ideen nicht eins zu eins umsetzen. Doch genau diese gedanklichen Experimente helfen Dir, gewohnte Denkgrenzen zu überwinden. Sie eröffnen neue Perspektiven und zeigen Dir Möglichkeiten auf, die im Alltag oft verborgen bleiben.
Manchmal reicht schon eine einzige gute Frage, um den ersten Schritt in eine neue Richtung zu gehen.
Der erste Schritt zählt: Warum Veränderung nicht perfekt sein muss
Viele Selbstständige warten auf den perfekten Plan. Sie möchten alle Informationen haben, jedes Risiko ausschließen und sicher sein, dass ihre Idee funktioniert. Doch genau dadurch passiert häufig … gar nichts.
Dabei reicht oft schon ein einziger Schritt, um Bewegung in eine festgefahrene Situation zu bringen:
- ein Telefonat
- ein neues Angebot entwickeln
- eine Preisanpassung vornehmen
- das Gespräch mit einem Kunden suchen
- einen Blick auf die eigenen Zahlen werfen
Nicht alles muss sofort gelöst werden. Aber irgendetwas kannst Du fast immer tun. Jeder kleine Schritt bringt neue Erkenntnisse mit sich – und genau daraus entsteht Veränderung.
Doch was ist, wenn Du gleich mehrere Ideen hast und nicht weißt, welche Du zuerst verfolgen solltest?
Dann hilft es, Deine Ideen nicht nach dem Bauchgefühl, sondern anhand klarer Kriterien zu bewerten.
Eine einfache Kriterienanalyse kann Dir dabei helfen, verschiedene Ideen objektiver miteinander zu vergleichen. Lege zunächst die Ideen fest, die Du bewerten möchtest. Anschließend vergibst Du für jedes Kriterium – beispielsweise auf einer Skala von 1 bis 10 – eine Bewertung. Am Ende addierst Du die Punkte und erhältst eine erste Orientierung, welche Idee das größte Potenzial besitzt.
Die folgende Übersicht zeigt ein mögliches Beispiel:

Fazit: Es wird, was Du daraus machst

Ja, manches im Leben und im Unternehmeralltag ist einfach, wie es ist. Das können wir nicht ändern. Wir können uns darüber ärgern, uns davon ausbremsen lassen oder unsere Energie darauf verwenden, gegen Tatsachen anzukämpfen.
Oder wir treffen eine andere Entscheidung.
Wir akzeptieren die Situation als Ausgangspunkt und richten unseren Blick auf das, was in unserer Hand liegt. Genau dort beginnt unternehmerisches Denken: nicht beim Jammern über die Umstände, sondern bei der Frage:
„Was mache ich jetzt daraus?“
Vielleicht ist es am Ende tatsächlich nur ein kleines Telefonat, eine neue Idee, ein Gespräch mit einem Kunden oder eine Entscheidung, die Du schon lange vor Dir herschiebst. Doch genau diese kleinen Schritte bringen Dein Unternehmen in Bewegung.
Wenn Du das nächste Mal vor einer Herausforderung stehst, erinnere Dich an den kleinen Zettel an meinem Aktenschrank:
Es ist, wie es ist. Aber es wird, was Du daraus machst.
Denn genau darin liegt die Freiheit, die wir als Unternehmerinnen und Unternehmer haben.
Mein Wunsch für Dich ist, dass Du nach diesem Beitrag nicht nur eine neue Idee mitnimmst, sondern sie auch ausprobierst. Denn Veränderung beginnt nicht mit dem perfekten Plan, sondern mit der Entscheidung, den ersten Schritt zu gehen. Falls Du dabei Unterstützung suchst, findest Du auf meiner Seite weitere Beiträge rund um Strategie, Liquiditätsplanung und nachhaltiges Unternehmenswachstum.

Du hast viele Ideen, weißt aber nicht, welche Du zuerst angehen solltest? Oder Du steckst gerade fest und wünschst Dir einen neutralen Sparringspartner?
Dann lass uns gemeinsam einen Blick auf Dein Unternehmen werfen. Oft reicht schon ein Perspektivwechsel, um neue Möglichkeiten zu entdecken und den nächsten Schritt klar vor Augen zu haben.
Ich freue mich auf Deine Nachricht.







