Das kann ich nicht delegieren.
Das erwarten meine Kunden.
Dafür habe ich keine Zeit.
Das funktioniert in meiner Branche nicht.
Das muss halt so sein. Das haben wir schon immer so gemacht.
Oder?
Bestimmt sind Dir solche Aussagen nicht unbekannt? Mir begegnen sie bei meinen Kund:innen oder deren Teams regelmäßig.
Ganz egal, ob es darum geht, Aufgaben und Verantwortungsbereiche endlich an ein Teammitglied zu delegieren. Oder ob Du Dich so sehr nach Deinen Kund:innen richtest, dass plötzlich Angebote oder Dienstleistungen entstehen, die Dir kaum Umsatz bringen. Oder Du denkst: „Wenn meine Mitbewerber so ein unschlagbar günstiges Angebot machen, dann muss ich mit meinem Preis wohl auch runter.“ Oder es Prozesse und Abläufe gibt, die seit Jahren existieren und niemand mehr wirklich beantworten kann, warum das eigentlich so gemacht wird.
Seien wir doch mal ehrlich: Muss das wirklich so sein?
„Muss“ oder „soll“? - Warum wir Dinge irgendwann nicht mehr hinterfragen
Mir ist schon klar, dass es in unserer täglichen Praxis als Selbstständige Themen und Dinge gibt, die wir tatsächlich „müssen“.
Sei es, weil es
- gesetzliche Vorgaben gibt, die wir erfüllen müssen, z. B. eine Rechnung an ein anderes Unternehmen als E-Rechnung zu versenden oder die Vorgaben der DSGVO einzuhalten,
- steuerliche Pflichten gibt, denen wir nachkommen müssen, z. B. die Umsatzsteuer-Voranmeldung zum 10. eines Monats oder Quartals,
- bestimmte technische Voraussetzungen gibt, die wir schaffen müssen, z. B. den Widerrufsbutton im Online-Shop aktiv zu schalten,
- oder vertragliche Verpflichtungen gibt, die wir erfüllen müssen, z. B. Leasingraten, Miete, Pacht, Strom oder Wasser zu bezahlen.
Aber sehr vieles andere müssen wir nicht.
Wir haben uns irgendwann dafür entschieden, es so zu machen – oder jemand anders hat die Entscheidung für uns getroffen.
Und im Laufe der Zeit wurde aus: „Wir haben uns dafür entschieden.“ ein: „Das muss so sein.“
Vielleicht war das sogar einmal eine richtig gute Lösung. Eine, die unser Leben oder unseren Arbeitsalltag einfacher gemacht hat. Genau dafür sind Gewohnheiten schließlich da: Sie erleichtern uns den Alltag, weil wir nicht ständig alles neu entscheiden müssen.
Aber Gewohnheiten haben einen Haken: Sie laufen irgendwann automatisch ab. Und dann merken wir manchmal gar nicht, dass sich die Rahmenbedingungen längst verändert haben. Was früher sinnvoll war, kann heute unnötig, umständlich oder sogar hinderlich sein.
Und genau hier wird es spannend:
Wann wird aus einer sinnvollen Gewohnheit eine liebgewonnene Selbstverständlichkeit, die wir längst einmal hinterfragen sollten?
Woher weißt Du das eigentlich?
Lass uns doch mal etwas genauer hinschauen.
Wenn ich von meinen Kund:innen zu hören bekomme: „Das muss so sein.“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht.“, dann versuche ich zunächst, diesem Argument mit gezielten Nachfragen auf den Grund zu gehen.
Bekomme ich beispielsweise zu hören:
„Diese oder jene Aufgabe kann ich nicht delegieren!“
Stellt sich mir die Frage: Was genau spricht dagegen?
Kannst Du nicht?
Darfst Du nicht?
Oder willst Du nicht?
Das sind drei völlig unterschiedliche Aussagen – und möglicherweise auch drei völlig unterschiedliche Gründe dafür, dass eine Aufgabe bisher bei Dir geblieben ist.
Sagt mir eine Kundin:
„Dieses Produkt oder diese Dienstleistung erwarten meine Kunden.“
Möchte ich gerne wissen, wie sie zu dieser Erkenntnis gekommen ist.
Hat sie ihre Kunden gefragt? Wird die Leistung tatsächlich immer wieder nachgefragt? Gibt es konkrete Anfragen? Oder ist es vielleicht einfach eine Vermutung, die sich irgendwann verfestigt hat?
Auf die Aussage:
„Das funktioniert in unserer Branche nicht.“
Frage ich gerne:
Hast Du es ausprobiert? Auf welchen Erfahrungen beruht diese Erkenntnis? Oder ist es lediglich Deine Annahme?
Und dann gibt es noch den Klassiker:
„Dafür habe ich keine Zeit!“
Auch hier lohnt sich ein genauerer Blick. Ist wirklich keine Zeit vorhanden – oder setzt Du Deine Prioritäten einfach anders?
Das ist übrigens keine Kritik. Natürlich können wir nicht alles gleichzeitig erledigen, denn unsere Zeit ist begrenzt. Die spannende Frage ist vielmehr:
Ist das tatsächlich ein Zeitproblem oder eine bewusste Entscheidung, wofür Du Deine Zeit einsetzen möchtest?
Du siehst schon anhand dieser Beispiele: Manche Dinge erscheinen uns irgendwann unumstößlich. Sie fühlen sich an wie Tatsachen, die wir nicht verändern können. Aber vielleicht sind sie gar keine Tatsachen. Vielleicht handelt es sich um Überzeugungen, die wir so lange wiederholt haben, bis sie für uns zu Tatsachen geworden sind.
Und genau deshalb lohnt sich die Frage: „Woher weißt Du das eigentlich?“
Wenn der Autopilot übernimmt
Wir treffen täglich unzählige Entscheidungen. Deshalb ist es völlig normal und sogar sinnvoll, dass wir bei vielen Dingen nicht jedes Mal von vorne überlegen. Der Autopilot spart Energie.
Das Problem entsteht erst, wenn wir gar nicht mehr merken, dass der Autopilot läuft.
- Du antwortest Kunden weiterhin auf demselben Weg, obwohl es Dich jeden Abend eine Stunde kostet.
- Du machst eine Aufgabe weiterhin selbst, obwohl Dein Mitarbeiter sie längst übernehmen könnte.
- Du hältst an einem Angebot fest, das kaum etwas zum Umsatz beiträgt.
- Du hältst Deine Preise niedrig, weil Du davon ausgehst, dass der Wettbewerb sonst davonzieht.
Nicht weil Du Dich bewusst jeden Morgen dafür entscheidest, sondern weil es inzwischen einfach so läuft.
Und jetzt kommt die spannende Frage: „Was wäre, wenn …?“
Meine Kund:innen ermuntere ich an dieser Stelle immer wieder, ihre „Das muss so sein“-Sätze kritisch zu hinterfragen.
Denn letztlich geht es darum, die Perspektive zu wechseln und eingefahrene Denkweisen einmal von einer anderen Seite zu betrachten. Nicht, um zwanghaft alles zu verändern, sondern um überhaupt wieder Wahlmöglichkeiten zu erkennen.
Denn solange Du davon ausgehst, dass etwas nicht anders geht, gibt es auch keinen Grund, nach einer anderen Lösung zu suchen.
Genau deshalb mag ich die Frage:
Was wäre, wenn …?
Sie zwingt Dich nicht dazu, sofort eine Entscheidung zu treffen. Sie öffnet zunächst einmal den Raum für Möglichkeiten.
Also:
- … Du diese Aufgabe tatsächlich nicht mehr selbst machen würdest?
- … Du Deinen Kunden eine andere Lösung anbieten würdest?
- … Du Deinen Preis nicht am Wettbewerb, sondern an Deinem eigenen Geschäftsmodell ausrichten würdest?
- … Du diesen Prozess heute komplett neu gestalten müsstest?
- … Du dieses Angebot einfach streichen würdest?
- … Du einmal davon ausgingest, dass es doch anders geht?
Und vielleicht kommen Dir bei der einen oder anderen Frage sofort Gedanken wie: „Das geht doch gar nicht!“
Perfekt, dann hast Du gerade möglicherweise den nächsten „Das muss so sein“-Satz gefunden. 😉
Denn genau darum geht es zunächst: nicht sofort eine Lösung zu finden, sondern herauszufinden, ob es überhaupt Alternativen gibt.
Vielleicht stellst Du dabei fest, dass Deine bisherige Lösung tatsächlich die beste ist. Dann ist das völlig in Ordnung. Der Unterschied ist nur:
Du machst es dann nicht mehr, weil Du glaubst, dass es so sein muss. Du machst es, weil Du Dich bewusst dafür entschieden hast.
Nicht alles muss anders werden
Entscheidungen zu treffen gehört zum Alltag von Selbstständigen einfach dazu. Wir treffen sie ständig – bewusst oder unbewusst, große und kleine. Und genau deshalb möchte ich Dich ermuntern, nach dem Perspektivwechsel nicht automatisch alles verändern zu wollen.
Vielleicht stellst Du bei einer Deiner „Das muss so sein“-Aussagen fest: Ja. Das passt für mich.
Dann ist das genauso eine wertvolle Erkenntnis wie die Entscheidung, etwas zu verändern.
Denn der eigentliche Unterschied liegt darin, ob Du etwas bewusst entscheidest oder einfach weitermachst, weil es schon immer so war.
Eine bewusste Entscheidung gibt Dir wieder eine Wahl:
Will ich diesen Weg weitergehen – oder möchte ich etwas verändern?
Beides kann richtig sein. Und natürlich kann es passieren, dass Du Dich für eine Veränderung entscheidest und später feststellst: „Das war nicht die beste Entscheidung“. Auch das gehört zur Selbstständigkeit dazu.
Du kannst nicht mit Sicherheit wissen, wie sich eine Entscheidung entwickeln wird. Du kannst Informationen sammeln, Erfahrungen einbeziehen, verschiedene Möglichkeiten abwägen und Dir Gedanken über die Konsequenzen machen. Aber eine Garantie gibt es nicht.
Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellt, macht Dich deshalb nicht zu einer schlechten Unternehmerin oder einem schlechten Unternehmer.
Sie zeigt Dir etwas: vielleicht, dass eine Annahme nicht gestimmt hat. Vielleicht, hast Du eine Konsequenz übersehen, vielleicht aber auch einfach, dass sich die Rahmenbedingungen verändert haben.
Dann kannst Du daraus lernen, Deine Entscheidung korrigieren und einen anderen Weg ausprobieren.
Entscheidungen brauchen nicht nur Verstand, sondern manchmal auch Vertrauen
Und ja: Bei manchen Entscheidungen hilft neben Zahlen, Fakten und Erfahrungen auch das eigene Bauchgefühl.
Vielleicht kennst Du das: Du hast eigentlich schon beim ersten Gespräch gespürt, dass ein Kunde oder eine Kundin nicht zu Dir passt. Oder Du hast eine Mitarbeiterin eingestellt und irgendwo im Hinterkopf gedacht: „Irgendwie fühlt sich das nicht richtig an.“
Manchmal gibt es gute Gründe, diese Stimme zu überhören. Wirtschaftliche Zwänge, fehlende Alternativen oder schlicht die Hoffnung, dass es schon funktionieren wird. Aber gerade wenn Du bewusst entscheiden möchtest, lohnt es sich, dieses Bauchgefühl zumindest ernst zu nehmen.
Denn eine bewusste Entscheidung bedeutet nicht, dass Du alles vorher wissen musst. Sie bedeutet, dass Du hinschaust, abwägst und dann Deinen Weg wählst. Und wenn Du später feststellst, dass es nicht der richtige Weg war, darfst Du auch wieder abbiegen.
Dein kleiner „Muss-das-so-sein?“-Check
Vielleicht gibt es jetzt schon eine Sache in Deinem Unternehmen, bei der Du denkst:
„Moment mal – muss das wirklich so sein?“
Dann schau doch einmal genauer hin. Nimm Dir ein paar Minuten Zeit, wähle ein paar der folgenden Fragen aus und beleuchte Dein Thema einmal aus einer anderen Perspektive:
- Ist das wirklich notwendig – oder nur Gewohnheit?
- Wer sagt eigentlich, dass es so sein muss?
- Was würde passieren, wenn ich es nicht mehr so mache?
- Was wäre die einfachste Alternative?
- Was würde ich tun, wenn ich heute bei null anfangen würde?
- Kann das jemand anderes übernehmen – oder muss ich es wirklich selbst tun?
- Was würde ich verändern, wenn ich nicht auf „Das haben wir immer so gemacht“ hören würde?
Du musst dabei nicht sofort eine Lösung finden. Vielleicht stellst Du auch einfach fest, dass Deine bisherige Vorgehensweise tatsächlich die beste für Dich und Dein Unternehmen ist.
Der Unterschied ist: Du hast sie dann bewusst hinterfragt und Dich dafür entschieden.
Damit Du Dich in Ruhe und Schritt für Schritt damit beschäftigen kannst, habe ich aus diesen Fragen eine kleine Muss-das-so-sein?-Checkliste entwickelt.
Du musst dabei nicht sofort eine Lösung finden … 😉
Fazit: Nicht alles muss anders werden. Aber manches darf.
Vielleicht nimmst Du aus diesem Artikel gar nicht den Vorsatz mit, jetzt Dein ganzes Unternehmen auf den Kopf zu stellen.
Das wäre auch gar nicht mein Anliegen. Viel wichtiger ist mir, dass Du bei einem Deiner nächsten „Das muss halt so sein“-Sätze vielleicht einmal innehältst und Dich fragst:
Muss das wirklich so sein?
Vielleicht lautet die Antwort danach tatsächlich: „Ja“. Dann ist das gut, denn Du hast Dich bewusst dafür entschieden.
Vielleicht stellst Du aber auch fest, dass es eine andere Möglichkeit gibt – eine einfachere, sinnvollere oder besser zu Dir und Deinem Unternehmen passende. Dann hast Du die Wahl.
Und genau darum geht es:
Vielleicht muss gar nicht alles anders werden. Vielleicht muss nur manches wieder bewusst entschieden werden.

Du möchtest genauer hinschauen?
Manchmal reicht eine andere Frage, um eine festgefahrene Situation aus einer ganz neuen Perspektive zu betrachten.
Wenn Du gerade an einem Punkt in Deinem Unternehmen stehst, bei dem Du nicht weißt, ob Du etwas verändern solltest – oder wie eine gute Lösung aussehen könnte, lass uns darüber sprechen.
Schreib mir. Wir schauen gemeinsam drauf – pragmatisch, auf Augenhöhe und ohne Gedöns.







