Viele Selbstständige gründen ihr Unternehmen nicht neu. Sie übernehmen einen bestehenden Betrieb – manchmal sogar den, in dem sie selbst jahrelang gearbeitet haben. Aktuell begleite ich zwei Selbstständige, die diesen Schritt vollzogen haben bzw. dabei sind, das Unternehmen zum Jahreswechsel zu übernehmen.
Fachlich ist das meist kein Problem. Der eigentliche Unterschied liegt woanders:
Plötzlich geht es nicht mehr nur um die Arbeit im Unternehmen – sondern um die Führung des Unternehmens.
Was sich zunächst sehr reizvoll anhört, oftmals eine große Vision beinhaltet und das Freiheitsgefühl beflügelt – endlich kann ich die Richtung des Unternehmens vorgeben und meine Wünsche und Vorstellungen umsetzen –, bringt auch Herausforderungen mit sich, über die sich viele (angehende) Selbstständige zuvor kaum Gedanken gemacht haben.
Denn mit der Übernahme verändert sich etwas Grundlegendes: die Rolle im Unternehmen.
- Aus der Mitarbeiterin wird plötzlich die Unternehmerin.
- Aus dem Kollegen wird die Führungskraft.
- Und aus der fachlichen Verantwortung wird die Verantwortung für das gesamte Unternehmen.
Gerade dieser Rollenwechsel wird häufig unterschätzt.
Denn während die fachliche Arbeit meist vertraut ist, kommen plötzlich ganz andere Aufgaben hinzu:
- Entscheidungen treffen,
- Mitarbeiter führen,
- wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und
- die strategische Entwicklung des Unternehmens im Blick behalten.
Dabei passieren immer wieder ähnliche Fehler – fünf davon stelle ich Dir hier vor. Und natürlich auch, wie Du sie vermeiden kannst.
Fehler 1: Weiterarbeiten wie ein Mitarbeiter
Viele neue Inhaber:innen arbeiten zunächst genauso weiter wie vorher:
Sie stehen im Tagesgeschäft, erledigen Aufgaben selbst und kümmern sich vor allem um die operative Arbeit.
Vielleicht kennst Du das Gefühl, ständig auf der Stelle zu treten – obwohl Du täglich hart arbeitest?
Das könnte daran liegen, dass Du Dich zu sehr auf das Tagesgeschäft konzentrierst und fast ausschließlich im Unternehmen arbeitest.
Die Arbeit im Unternehmen umfasst alle operativen Aufgaben, die notwendig sind, um das Tagesgeschäft am Laufen zu halten: Kunden bedienen, Aufträge abwickeln, Rechnungen schreiben oder Materialien einkaufen.
Im Klartext: Du bist die meiste Zeit als Fachkraft oder Manager:in in und für Deine Firma tätig.
Das bedeutet aber auch: In dieser Rolle sorgst Du nicht dafür, dass sich Dein Unternehmen weiterentwickeln kann.
Das Problem: Deine Aufgaben als Unternehmer:in bleiben liegen, zum Beispiel
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Zahlen analysieren
-
Strategie entwickeln
-
Prozesse verbessern
-
Mitarbeiter führen
Wer dauerhaft nur „mitarbeitet“, führt sein Unternehmen nicht. Du nimmst Dir schlicht keine Zeit, am Unternehmen zu arbeiten.
Dabei geht es genau darum: Strukturen, Prozesse und Pläne zu entwickeln, die langfristig für Wachstum und Stabilität sorgen.
Der Unterschied liegt vor allem in der Perspektive:
Während die Arbeit im Unternehmen kurzfristig Ergebnisse liefert, sichert die Arbeit am Unternehmen den langfristigen Erfolg.
Ohne diesen Fokus auf die Weiterentwicklung riskierst Du, in einem „Hamsterrad“ zu bleiben: Du arbeitest viel – kommst aber kaum voran.
So vermeidest Du diesen Fehler
Die Arbeit am Unternehmen ist kein Luxus – sie ist eine Notwendigkeit. Auch (oder gerade) für kleine Unternehmen und Selbstständige.
Sie gibt Dir die Möglichkeit, aus dem täglichen Hamsterrad auszubrechen und Deinen beruflichen Alltag bewusst zu gestalten.
Plane Dir daher ganz bewusst Zeit für Deine Rolle als Unternehmer:in ein.
Blocke Dir regelmäßig Termine für:
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betriebswirtschaftliche Auswertungen
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Planung
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Mitarbeitergespräche
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Prozessoptimierung
Dein Unternehmen braucht nicht nur Deine Fachkompetenz – es braucht Deine unternehmerische Führung.
Wenn Du Dir unsicher bist, wo Du anfangen kannst, habe ich einige Tipps zusammengestellt, wie Du mit kleinen, gezielten Maßnahmen – den sogenannten Quick Wins – erste Veränderungen anstoßen und spürbare Verbesserungen erzielen kannst.
Mehr dazu findest Du in meinem Beitrag: “Keine Zeit, kein Fortschritt? Wie Du Dein Tagesgeschäft in den Griff bekommst und Dein Unternehmen weiterentwickelst“
Fehler 2: Entscheidungen zu lange aufschieben
Gerade nach einer Übernahme passiert es häufig: Du zögerst, klare Entscheidungen zu treffen – vor allem, wenn ehemalige Kolleg:innen jetzt Mitarbeiter:innen sind. Das führt dann häufig dazu, dass
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Aufgaben nicht neu verteilt werden,
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Probleme nicht angesprochen werden,
-
Konflikte ausgesessen werden.
Vielleicht denkst Du:
„Wenn ich das Problem einfach aussitze, geht es von allein vorbei.“
Das Problem: Das tut es nicht.
Aufgeschobene Entscheidungen führen zu Unsicherheit im Team, unklaren Aufgabenverteilungen und festgefahrenen Abläufen.
So vermeidest Du diesen Fehler
Deine Mitarbeitenden brauchen Klarheit. Denn klare Führung gibt dem Team die erforderliche Orientierung, Sicherheit und Ruhe.
Das bedeutet nicht, autoritär zu sein – sondern verantwortungsvoll zu entscheiden.
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Entscheide bewusst und rechtzeitig, auch wenn es unbequem ist.
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Kommuniziere klar, warum eine Entscheidung nötig ist.
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Ziehe Konsequenzen, wenn Aufgaben nicht erledigt werden.
Fehler 3: Zu viel selbst machen
Warum ist das ein Fehler?
Viele neue Unternehmer denken:
„Bevor ich es erkläre, mache ich es schnell selbst.“
Das funktioniert kurzfristig – aber langfristig blockierst Du Dich selbst.
Du wirst zum Flaschenhals im Unternehmen, was schnell zu Überlastung führen kann.
Es ist daher entscheidend, zu erkennen, welche Aufgaben ausgelagert werden können, um sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren, denn nicht alle Aufgaben erfordern Deine persönliche Aufmerksamkeit.
Und ganz ehrlich – führe Dir einmal vor Augen, was es Dich kostet (oder wie viel Umsatz Dir entgeht), wenn Du die Werkstatt kehrst, Handtücher zusammenlegst, stundenlang Ablage machst oder Dich selbst mit der Reparatur einer Maschine oder der Installation eines Softwareprogramms beschäftigst.
Das alles sind Tätigkeiten, die natürlich erledigt werden müssen – aber unbedingt von Dir?
So vermeidest Du diesen Fehler
Selbstständigkeit bedeutet nicht, dass Du alles alleine machen musst – im Gegenteil: Ein starkes Team und gezielte Delegation sind Schlüssel, um langfristig erfolgreich zu sein, ohne dabei auszubrennen.
Daher:
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Delegiere bewusst Aufgaben an Mitarbeiter:innen.
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Sorge für klare Abläufe und Zuständigkeiten.
-
Investiere Zeit in Einarbeitung und Training – das zahlt sich später mehrfach aus.
Die eigenen Kernkompetenzen zu nutzen und Aufgaben abzugeben, die von anderen effizienter erledigt werden können, steigert nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern auch die Zufriedenheit und Motivation.
Warum es entscheidend ist, Aufgaben zu delegieren, und wie ein starkes Team den Unterschied machen kann – für mehr Effizienz, weniger Stress und nachhaltigen Erfolg – habe ich in meinem Blog-Beitrag: “Warum Delegieren besser ist, als alles selbst zu machen” ausführlich erläutert.
Fehler 4: Die Zahlen nicht konsequent im Blick haben
Warum ist das ein Fehler?
Viele übernehmen ein Unternehmen und verlassen sich auf das Gefühl:
„Das läuft doch gut.“
Doch wirtschaftlicher Erfolg entsteht nur durch Zahlenkenntnis: Umsatz, Deckungsbeiträge, Liquidität, Kostenstruktur.
Oft rücken die Zahlen und die betriebswirtschaftliche Seite eines Unternehmens erst dann in den Fokus, wenn Unsicherheit entsteht: wenn Liquidität knapp wird, Entscheidungen schwerfallen oder sich trotz guter Auftragslage kein gutes Gefühl einstellt.
Dabei geht es in der Betriebswirtschaft nicht um Zahlen um der Zahlen willen. Es geht darum, das eigene Unternehmen bewusst zu steuern, Zusammenhänge zu verstehen und fundierte Entscheidungen treffen zu können – ohne sich dabei im Detail zu verlieren.
So vermeidest Du diesen Fehler
Wenn Du in Deinem Unternehmen nachhaltig erfolgreich sein willst, dann solltest Du wissen, nach welchen Regeln Dein Unternehmen funktioniert und an welchen Stellschrauben Du drehen musst, damit sich die für Deinen Geschäftserfolg wichtigen Erfolgsfaktoren entwickeln.
Deine Zahlen sind ein entscheidender Teil Deines Unternehmens. Es ist Deine Aufgabe als Unternehmer:in, sich Zeit zu nehmen, um Deine Zahlen zu verstehen.
Schaffe Dir daher einfache Routinen:
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Werte monatlich Deine wichtigsten Kennzahlen aus.
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Führe regelmäßige Gespräche mit Deiner Steuerkanzlei.
-
Überprüfe regelmäßig die Kalkulation Deiner Produkte und Leistungen.
Unternehmerische Entscheidungen brauchen eine Zahlenbasis.
In meinem Blog-Beitrag: “5 Tipps, warum es sich als Selbständige:r lohnt, Deine Zahlen im Blick zu behalten” liefere ich Dir ein paar gute Argumente und Einsichten, die Dich dabei unterstützen, dass Du Dir regelmäßig Zeit für Deine Zahlen nimmst und sie zukünftig nicht ungelesen abheftest.
Fehler 5: Keine Zeit für Strategie einplanen
Warum ist das ein Fehler?
Das Tagesgeschäft frisst oft die gesamte Energie.
Strategische Überlegungen – wohin soll sich das Unternehmen entwickeln? Welche Leistungen sollen gestärkt werden? – bleiben auf der Strecke.
Du kannst die tollsten Visionen entwickeln und die raffiniertesten Strategien austüfteln. Wenn sie nicht umgesetzt werden, kannst Du Dir diese Arbeit sparen.
Ohne Strategie passiert Entwicklung zufällig, statt bewusst.
Die Folge:
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keine klare Entwicklung des Unternehmens
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keine langfristigen Ziele
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Wachstum passiert zufällig
Strategie entsteht aber nicht nebenbei. Es ist Deine Verantwortung als Selbstständige:r, sicherzustellen, dass Deine Strategie umgesetzt wird und dass die Werte, für die Du mit Deinem Unternehmen stehst, gelebt werden.
So vermeidest Du diesen Fehler
Die Umsetzung einer Strategie erfordert klare Ziele, eine gute Planung, regelmäßige Überwachung und Anpassung sowie eine offene Kommunikation.
Plane also regelmäßig Zeit für strategische Fragen ein:
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Wo soll mein Unternehmen in 3–5 Jahren stehen?
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Welche Leistungen sind wirklich profitabel?
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Welche Kunden passen zu mir?
Halte Ergebnisse schriftlich fest – so bleiben sie sichtbar und umsetzbar. Strategie bedeutet: bewusst entscheiden, wohin die Reise geht.
In meinem Blog-Beitrag: “Strategisch zum Erfolg: Ein tieferer Blick auf die Bausteine einer erfolgreichen Selbstständigkeit: Teil 2 Strategie erarbeiten” habe ich einige Methoden vorgestellt, um sicherzustellen, dass Du ins Handeln kommst, um Deine Strategie erfolgreich in die Tat umzusetzen und Deine unternehmerischen Ziele zu erreichen.
Mein Fazit
Ein Unternehmen zu übernehmen, ist eine große Chance – aber auch ein echter Rollenwechsel.
Viele unterschätzen genau diesen Moment: den Übergang von der Fachkraft zur Unternehmerin oder zum Unternehmer.
Der wichtigste Schritt ist daher, sich bewusst zu machen:
- Du bist nicht mehr nur Fachkraft im Unternehmen.
- Du bist jetzt verantwortlich für das Unternehmen.
Und genau dafür lohnt es sich, Zeit zu investieren.
Ein Unternehmen zu übernehmen ist eine große Chance – aber auch ein echter Rollenwechsel.
Viele unterschätzen genau diesen Moment: den Übergang von der Fachkraft zur Unternehmerin oder zum Unternehmer.
Der wichtigste Schritt ist daher, sich bewusst zu machen:
- Du bist nicht mehr nur Fachkraft im Unternehmen.
- Du bist jetzt verantwortlich für das Unternehmen.
Und genau dafür lohnt es sich, Zeit zu investieren.

Wenn Du selbst gerade ein Unternehmen übernommen hast oder vor dieser Entscheidung stehst, lohnt es sich, frühzeitig einen Blick auf die unternehmerischen Themen zu werfen.
Denn viele Herausforderungen lassen sich deutlich leichter lösen, wenn man sie rechtzeitig erkennt.








